geschichte

Geschichte: EH Weißwasser / TSV Weißwasser / BSG Kristall Weißwasser / BSG Ostglas Weißwasser / BSG Chemie Weißwasser / SG Dynamo Weißwasser / PEV Weißwasser / ES Weißwasser / ESG Sachsen Weißwasser/Chemnitz / Füchse Sachsen Weißwasser/Chemnitz / ES Füchse Weißwasser / ESW Lausitzer Füchse

Im Jahre 1929 machten einige Jugendliche, unter ihnen Günter Lehnigk, Siegfried Rohrbach, Helmut Bertko, Martin Schulz und Fritz Dutschke, den Anfang. Solange auf dem Braunsteich noch tragfähiges Eis vorhanden war, liefen sie auf abgelaufenen Schlittschuhen und mit behelfsmäßigen Schlägern einem Ball oder Stein hinterher. Übrigens begann auch Christa Rothenburger-Luding, die Olympiasiegerin und mehrfache Weitmeisterin im Eisschnellauf, ihre Karriere auf diesen Eisflächen am Rande der Stadt. Aber das nur am Rande.

Der Legende zufolge sahen die Pioniere an einem Dezemberabend des Jahres 1932 im "Gloria-Palast" einen Filmbeitrag, in welchem der Berliner SC eine seiner zahlreichen Meisterschaften einfuhr - dieser Kinobesuch sollte letztendlich den Aufstieg Weißwassers zur Eishockey-Hochburg entscheidend beeinflussen. Denn schon wenige Tage später, am 15. Dezember, ging im Kegierheim die Gründung von "Eishockey Weißwasser" vonstatten, im nächsten Jahr zimmerte man sich eine Spielfeldumgrenzung zusammen und fand gnädige Aufnahme in den Turn- und Sportverein Weißwasser. Das erste offizielle Match gewannen die Grün-Weißen dann mit 5:0 in Spremberg, mit dem gleichen Ergebnis mußte man sich im ersten Spiel vor heimischer Kulisse den erfahrenen Cracks vom EV Görlitz geschlagen geben. Eher durch Zufall nahm der TSV 1936 an der Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft in Nürnberg teil, doch schon im nächsten Jahr sicherte man sich durch ein 2:1 gegen den EV Hindenburg verdient den Titel des Schlesischen Meisters. Lehrgänge mit dem Schweden Nils Molander oder dem Kanadier Robert A. Bell brachten das Team weiter nach vorne, 1938 trat auch der ruhmreiche Schlittschuhclub aus Berlin zu einem Freundschaftsspiel auf dem Braunsteich an. Die TSVler hielten lange hervorragend mit, bis plötzlich einsetzendes Tauwetter einem ungestümen Angriff Günter Lehnigks ein jähes Ende setzte und das Eis unter den Kufen des etwas pummeligen Hornbrillenträgers nachgab. Von solchen Pannen einmal abgesehen, ging es mit dem TSV Weißwasser weiter aufwärts.

Kurz nach dem Krieg wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen, mit dem Anschluß an die BSG Kristall waren 1948 auch die materiellen Voraussetzurigen für das Anknüpfen an die alten Erfolge gegeben. Die Stadt stellte den Puckjägern das Gelände am Jahnteich zur Verfügung, die alte Spielstätte hatte den Anforderungen schon vor dem Krieg nicht mehr entsprochen, und 1950 konnte das Eisstadion vor 6.000 Zuschauern mit einem 0:0 gegen Frankenhausen eingeweiht werden, Bei den ersten Meisterschaften mußte man sich noch den Cracks aus Crimmitschau geschlagen geben, doch 1951 begann dann der phänomenale Siegeszug der Lausitzer. Den ersten Titel holte 1951 das vom legendären Kurt Stürmer angeführte Kollektiv der BSG Ostglas, in den nächsten beiden Jahren die BSG Chemie und ab 1954 ließ die SG Dynamo, die seit Ende der 50er Jahre im neuen Wilhelm-Pieck-Stadion antreten konnte, der frustrierten Konkurrenz keine Schnitte: Bis zum Jahr 1972 fand die Meisterfeier stets in Weißwasser statt. Auch auf internationaler Bühne sorgten die Cracks für Furore, so mußte die "Augsburger Zeitung" nach zwei knappen Niederlagen gegen den EV Füssen im Jahre 1954 anerkennen: "Ostzonenmeister stärker als erwartet" und 1958 gewann man in Bozen den von einer italienischen Kaffeemaschinenfabrik gestifteten "Pavoni-Cup". Für die Erfolge des Nationalteams in den 60er Jahren zeichneten ebenfalls primär die Dynamos aus der Lausitz verantwortlich. Bei der WM 1965 in Tampere, welche die DDR mit dem fünften Platz abschloss, waren gleich elf Weißwasseraner mit von der Partie: Klaus Hirche, Bernd Poindl, Ulrich und Rüdiger Noack, Manfred Buder, Reiner Tudyka, Helmut und Erich Novy, Heinz Schildan, Wilfried Sock und Joachim Franke.

Als 1970 der "große Schnitt" erfolgte, verschoben sich die Machtverhältnisse allerdings zugunsten der Berliner Dynamos, die neben dem BFC zu den Lieblingen des Erich Mielke gehörten und sich stets fröhlich aus dem Talentreservoir der unterklassigen Vereine bedienen konnten. Abgesehen von einigen Achtungserfolgen (1973 erreichte man ein 3:3 gegen das kanadische Nationalteam) hatte Weißwasser in den 70er und 80er Jahren wenig zu bestellen. 1981 konnte das Team unter Trainer Rüdiger Noack noch einmal die Berliner Siegesserie durchbrechen, doch gleich war wieder der ewige Konkurrent im Dauerduell an der Reihe und auf Titel Nr. 24 mußte Weißwasser dann bis zum Jahre 1989 warten. Erstmals wurde dabei ein Verein ohne eine einzige Niederlage zum Meister gekrönt, letztendlich das Ergebnis einer exzellenten Nachwuchsarbeit, die sich auch im nächsten Jahr mit dem Gewinn der 25. und letzten Meisterschaft auszahlten sollte. Die Zuschauer honorierten die Erfolge und strömten in Scharen ins Wilhelm-Pieck-Stadion: Meist waren die Spiele mit 12.500 Besuchern restlos ausverkauft, während in Berlin nur noch knapp 2.000 Unentwegte ihre Dynamos sehen wollten.

Nachdem die beiden DDR-Klubs am 11.Mai 1990 in die gesamtdeutsche Eliteklasse aufgenommen worden waren, startete Weißwasser als Polizei-Eislauf-Verein (PEV) in der Saison 90/91 das Abenteuer Bundesliga. Daß es dort nicht leicht werden würde, war allen Beteiligten von vorneherein klar. Die Spieler, die zwar technisch, spielerisch und vor allem läuferisch gut mithalten konnten, waren den Streß einer Doppelrunde mit den langen Auswärtsfahrten natürlich nicht gewohnt. Dazu ergaben sich nun natürlich gewaltige finanzielle Probleme, Spielereinkäufe gab's vorerst keine. Dennoch ging man mit großem Elan und riesiger Begeisterung an die Sache heran und gewann das erste Spiel in der neuen Welt am 14.September 1990 gleich mit 2:1 gegen Preussen Berlin. Nach diesem Achtungserfolg hagelte es jedoch Niederlagen ohne Ende, und schon bald fand sich der PEV im Tabellenkeller wieder. Auch mit dem neuen Trainer Schorsch Kink, der bereits im Herbst Roland Herzig ablöste, wurde es zunächst nicht besser. Erst als der Reihe nach der Kanadier Fox, der Lette Panin und der Russe Schalisow geholt wurden, konnte sich das Team um Hahn, Hantschke, Göbel, Gebauer, Handrick und Bresagk steigern und zum Ende der Saison sogar erstaunlich gut mithalten. Die PEVIer beendeten die Saison auf dem elften Rang, schossen in den Abstiegs-Playoffs Dynamo Berlin ab, wären dem alten Kollegen nach zwei Schlappen gegen Krefeld dann aber um ein Haar in die Zweite Liga gefolgt. Glücklicherweise gingen in Frankfurt alle Lichter aus, Weißwasser blieb erstklassig, das erste Jahr war überstanden.

Als "Eissport Weißwasser" wollte man sich nun weiter nach oben orientieren, doch am Ende der turbulenten Saison 91/92 waren neben dem kläglichen Abstieg ein entlassener Trainer, das durch die Wirtschaftlichkeitsprüfung des DEB verweigerte Nachrückrecht, eine anderthalbjährige Sperre für Andreas Ludwig (Tätlichkeit), der gerichtliche Streit mit der Krefelder Sport- und Werbeagentur "Design-Division", von der man sich nach großem Gezänk endlich getrennt hatte, ein Führungswechsel (Andreas Tschammer löste Gerd Kiank ab) und schließlich auch die ersten schmerzlichen Abgänge von Leistungsträgern (Handrick, Bresagk, Martin, Hantschke) zu verzeichnen. Die rauhe Wirklichkeit hatte die "Füchse", die Mitte 1991 bereits von WM-Spielen im überdachten Wilhelm-Pieck-Stadion träumten, wieder eingeholt.

Zwei Jahre kämpfte die junge Truppe um Kapitän Hubert Hahn leidenschaftlich um den Aufstieg, scheiterte unter dem erfahrenen Zdenek Haber in den entscheidenden Playoff-Spielen aber an Rosenheim (1993) und Kassel (1994). Dennoch eine beachtliche Leistung, da der Verein aufgrund eingeschränkter Möglichkeiten auf dem Transfermarkt stets mit einem durch Junioren aufgepäppelten Mini-Kader in die Saison ging und zudem einige der besten Spieler verkaufen mußte. Durch die Koalition mit Chemnitz und dank der freundlichen Unterstützung eines neuen Hauptsponsors (noch in guter Erinnerung aus den glorreichen Tagen der Braunschweiger Eintracht) erhielten die Füchse aus Weißwasser dann auch die zunächst verweigerte Lizenz für die DEL. Dort wird freilich noch schwerer zu bestehen sein als seinerzeit in der Bundesliga, aber Trainer Jiri Kochta und Manager Boris Capla haben schon ganz andere Nüsse geknackt.

Nach zwei Jahren mit sehr bescheidenen Erfolgen zogen sich die Füchse aus der DEL zurück. Die Partnerschaft mit Chemnitz sollte sich nicht bewähren. In Chemnitz wurde die Mannschaft und der Sport nicht angenommen und die heimischen Fans fühlten sich verprellt.

Weiterhin wird in Weißwasser auf den exzellenten Nachwuchs gesetzt und dieser kann sich in der Zweitklassigkeit recht gut durchsetzen. Alles in allem ist das Professionelle Eishockey Jahr für Jahr ein Vabanque-Spiel in Weißwasser.

 

ANFAHRT

Auto:

Der Landkreis Weißwasser liegt im Nordosten Sachsens unmittelbar an der Grenze zur Republik Polen und kann wahlweise über die A15 (aus Richtung Berlin) oder die A4 (aus Richtung Chemnitz/Dresden) angesteuert werden. Vorsicht: Viele Ortsschilder im Landkreis sind zweisprachig (deutsch-sorbisch) gehalten, wovon man sich aber nicht irritieren lassen sollte.

Über die Al5 aus Richtung Berlin bzw. Cottbus:

Von der Abfahrt Roggosen sind es sind es noch knapp 30 Kilom'eter. Über die Bl15 zum Grenzstädtchen Bad Muskau (der Verein Motor Bad Muskau spielte übrigens in den 70er Jahren einige Zeit in der 2. DDR-Liga), dort auf die B156 Richtung Weißwasser/Bautzen wechseln. Von hier sind es noch knapp acht Kilometer. Über die Muskauer bzw. Bautzener Straße am Bahnhof vorbei, links in die Heinrich-Heine-Straße einbiegen und dann rechts in die Lutherstraße zu den Parkplätzen.

Über die A4 aus Richtung Chemnitz oder Dresden: An der Abfahrt Bautzen-Ost heraus, von hier sind es über die B156 noch knapp 50 Kilometer bis Weißwasser. An der ersten Ampelkreuzung rechts auf die Bautzener Straße Richtung Innenstadt/Bad Muskau, dann die dritte Möglichkeit (nach ca. 300 Metern) rechts in den Prof.-Wagenfeld-Ring zu den Parkplätzen am Stadion. Diese sind in ausreichender Anzahl vorhanden, kosten aber pro Stunde eine Mark. Wer früh genug anreist, kann auf die (kostenlosen) Abstellplätze auf dem Sparkassen- bzw. Ambulanzgelände unmittelbar neben dem Stadion ausweichen. Die nächstgelegene Tankstelle findet sich am Ende der Bautzener Straße.

Bus/Bahn-

Das Eisstadion ist vom Bahnhof aus in gut zehn Minuten Fußweg zu erreichen: von der Bahnhofstraße rechts auf die Bl56 (Muskauer bzw. Bautzener Straße), links in die Heinrich-Heine-Straße und über die Grillparzerstraße zum Eisstadion bzw. zur Eishalle. Überregionale Busverbindungen (vom Bahnhof aus) bestehen überdies nach Dresden, Görlitz, Bautzen, Cottbus und Forst.

 

STADION

Am 16. April 1958 wurde der Grundstein für das Wilhelm-Pieck-Stadion, jene herrliche Freiluftarena für 12.000 Zuschauer, gelegt und noch im gleichen Jahr konnten "die ersten verflüssigten Ammoniakgase durch das Rohrnetz unter der Betonfläche des Stadions strömen". Viele Jahre später beabsichtigte die Werbeagentur "Design-Division", damals Partner des Vereins, das Gelände am Prof.-Wagenfeld-Ring zum größten Sportpark der Region auszubauen, Weißwasser sollte WM-Stadt 1993 werden. Dies kühne Unterfangen ließ sich auch recht gut an, bereits 1991 genehmigte der Dresdner Regierungspräsident Überdachung und Sanierung des Stadions. Daneben war der Umbau des Internates in ein Sporthotel, ein Reha-Zentrum, Verwaltungsgebäude mit Ladenstraße, Restaurants, Tiefgarage, Sportanlagen, Spielplätze, Grünanlagen sowie eine Mehrzweckhalle geplant worden. Das ganze Projekt scheiterte natürlich an den gewaltigen Kosten (60 Millionen DM), wie auch aus der Bewerbung für 1993 nichts wurde, obschon Weißwasser auf die Nähe zu den WM-Teilnehmern Polen, CSFR und Sowjetunion hingewiesen hatte. Es kam, wie viele es schon lange vorher hatten kommen sehen: Die Füchse spielten weiter in der kleinen Halle und im verwaisten Freiluftstadion hatte zuletzt eine Go-Kart-Bahn ihr Zuhause gefunden.

Die nebenliegende Eissporthalle wurde 1978 erbaut und wurde 1990 in Windeseile auf Vordermann gebracht, was knapp zwei Millionen DM verschlang. Durch weitere Rekonstruktionsarbeiten in den letzten Jahren befindet sie sich bis auf die provisorische Stahltribüne in einem sehr guten Zustand, auch die sanitären Anlagen wurden kürzlich saniert. Problematisch natürlich nach wie vor die geringe Sitzplatzkapazität (ganze 69 Plätze), doch die Halle in Chemnitz wird ab Januar 1995 renoviert und ungefähr zu diesem Zeitpunkt soll auch mit dem Umbau des riesige Freiluftstadion begonnen werden. Definitiv.

Knapp zwei Stunden vor Spielbeginn öffnen die Tore der Eishalle, die zahlreichen Fanclubs der Füchse aus Sachsen ("Schlesische Eisberge", "Stockhengste", "Fanclub Niesky" oder "Fanclub Bischofswerda")

 
     

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